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Lieblingsbücher von Buchhändlern

Die letzten Wochen wurde es ruhig um Bücherkrächzen – ihr könnt es euch vielleicht denken: die Weihnachtssaison hat begonnen und damit das geschäftige Treiben in unseren Buchhandlungen. Wir flitzen hin und her, räumen und bestellen nach, dekorieren und verpacken wie die Weltmeister, damit das Weihnachtsfest für unsere Kunden ein schönes und der Einkauf dafür entspannt wird.

Am kommenden Donnerstag, den 07.12.2017, findet wieder unser alljährlicher Lieblingsbücher-Abend statt, an dem wir euch Bücher empfehlen, die sich prima zum Verschenken eignen (oder zum Selberlesen). Ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizukommen und uns bei einem Glas Wein und Plätzchen ein wenig zuzuhören.

Einlass ist um 19:30 Uhr und der Eintritt ist frei. Wir freuen uns auf euch!

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Neues Bücherkrächzen

NEU ERSCHIENEN:

Frank Goldammer: Tausend Teufel (dtv Verlag)

Keine tausend Teufel, dafür aber fünf Leseexemplare liegen hier für euch bereit, um probegelesen zu werden. Es handelt sich um den zweiten Fall für Kriminaloberkommissar Max Heller und nimmt euch mit in das Dresden 1947. Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Kriminaloberkommissar Max Heller von der neu gegründeten Volkspolizei wird an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist bereits vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.

 

 

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George Watsky: Wie man es vermasselt

Wir möchten euch heute Elena vorstellen, die uns eine so großartige Rezension zu „Wie man es vermasselt“ von George Watsky geschickt hat, dass wir ihr einen eigenen Eintrag widmen möchten. Auf ihrem Blog Emerald Notes bespricht sie selbst Bücher, die sie gelesen, Konzerte, die sie besucht und Lesungen, bei denen sie Autoren selbst gesehen hat.

Der folgende Beitrag stammt also aus ihrer Feder (Tastatur hört sich so unromantisch an), vielen Dank an dich, Elena, dafür. Vielleicht hat der ein oder andere von euch ja Lust, auf ihrem Blog zu stöbern – es finden sich viele Schätze dort!

Rezension: Wie man es vermasselt von George Watsky (Diogenes Verlag)

In seinem autobiografischen Kurzgeschichtenband Wie man es vermasselt schildert George Watsky in insgesamt dreizehn Stories ungewöhnliche und vor allem skurrile Episoden aus seinem jungen Leben und erzählt damit vor allem amüsante Geschichten über die kleineren und größeren Katastrophen des Erwachsenwerdens. So nimmt er uns zum Beispiel mit auf ein halsbrecherisches Abenteuer rund um einen Narwal-Stoßzahn, mehr oder weniger erfolgreiche Auftritte als ambitionierter Poetry-Slammer, einen trotz allem erkenntnisreichen Selbstfindungstrip nach Indien oder eine Konzerttour durch Nordamerika in einem schrottreifen „Tourbus“. Der rote Faden, der sich dabei stets durch diese und all die anderen Erzählungen zieht: Pleiten, Pech und Pannen in Form von allerlei peinlichen Situationen und misslichen Lagen, aus denen sich Watsky entweder gerade nochmal heraushieven kann und/oder denen er trotz allem immer noch etwas Positives abgewinnen kann.

Von schier unwahrscheinlichen Begebenheiten, ziemlich bizarren Vorfällen, durchaus möglichen Ausrutschern und völlig alltäglichen Fiaskos ist in Wie man es vermasselt also alles vertreten. Somit schildert der Autor hier zwar einige Erlebnisse, die dem gewöhnlichen Leser aller Voraussicht nach fremd sind oder zumindest recht fernliegen – zu nennen wären hier beispielsweise Elfenbeinschmuggel, das Leben als Epileptiker, das harte Showbusiness in Hollywood oder das Tourleben eines Musikers –, doch Watsky tut dies auf eine so anschauliche und authentische Weise, sodass einem diese Welten letztendlich gar nicht mehr so exotisch, sondern fast schon vertraut vorkommen. Vor allen Dingen glänzt Watskys Erzähltalent jedoch in den Geschichten, die näher am Alltag liegen und in denen seine präzise (Selbst-)Beobachtungsgabe und sein Gespür fürs Detail besonders gut zur Geltung kommen. Sei’s der tägliche Überlebenskampf in der Schule (und hier besonders auf dem Pausenhof und im Sportunterricht), der Hass auf die neue Zahnspange, der Wunsch nach Zugehörigkeit oder die ersten missglückten Flirtversuche: Hier gelingt es George Watsky meisterlich, die alltäglichen „Schrecken“ und Debakel der Kindheit und Jugend, mit denen sich jeder identifizieren kann, humorvoll in Szene zu setzen.

Gleich mit der ersten Geschichte, die den schlichten Titel „Stoßzahn“ trägt, schaffte es der Autor, mich auf Anhieb mitzureißen: Sie ist spannend erzählt und man fiebert förmlich mit, ob es George und sein Kumpel schaffen, der lieben Tante June rechtzeitig zu ihrem hundertsten Geburtstag ihr sehnlichst gewünschtes Geschenk zu überbringen. Auch Watskys amüsante Darstellung seines verrückten WG-Lebens in einer völlig versifften Bruchbude in „Drei Stockwerke, drei Geschichten“ hat mir sehr gut gefallen. Besonders angetan war ich auch von der vorletzten Erzählung mit dem Titel „Der Weiße Wal“, die einen interessanten Einblick in das chaotische Tourleben von Musikern gewährt. Außerdem blieb mir auch die mit der Frage „Welches Jahr haben wir?“ betitelte Geschichte, in der Watsky auf seine Erfahrungen als Epileptiker eingeht, sehr positiv im Gedächtnis, weil sie noch persönlicher und intimer wirkte als die anderen Erzählungen.

Was jedoch alle dreizehn Stories gemeinsam haben ist eine bedingungslose Selbstironie und grenzenlose Ehrlichkeit, die auf eine beeindruckende Selbstreflektion und Weitsichtigkeit von Seiten Watskys schließen lassen. So schlägt er zwar viele laute, aber zwischendrin auch immer wieder leisere, nachdenkliche Töne an, die einen häufig gleichzeitig zum Schmunzeln und zum Nachdenken bringen. Gerade wegen dieser Tatsache, aber auch generell wegen des frischen und jugendlichen Stils hat mich Wie man es vermasselt des Öfteren an die ersten Werke von Benedict Wells erinnert. Wer also Spinner und Becks letzter Sommer mochte, der dürfte bestimmt auch an Wie man es vermasselt Gefallen finden.

Mit seinem Prosadebüt beschert George Watsky seinen Lesern nicht nur kurzweilige und amüsante Lesestunden, sondern lehrt uns hier vor allem die Kunst des charmanten Scheiterns, die nämlich darin besteht, auch mal etwas zu wagen und seinen Träumen nachzueifern, dabei gelegentlich auf die Nase zu fallen, aber immer wieder aufzustehen und an Fehlschlägen zu wachsen. So zeigt er mit seinen Erlebnissen und in seinen lebensbejahenden Geschichten, dass das Scheitern zum Leben dazugehört und es immer wieder weitergeht, macht dem Leser damit aber auch auf sympathische Art und Weise klar, dass man sich selbst nicht immer ganz so ernst nehmen sollte.

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Lügnerin

Kennt ihr die Autorin Ayelet Gundar-Goshen? Sie hat bereits die Bücher „Löwen wecken“ und „Eine Nacht, Markowitz“ geschrieben, falls euch diese Titel etwas sagen. Wenn nicht: auch nicht schlimm. Es ist ja nie zu spät für neue AutorInnen!

„Lügnerin“ (erschienen im kein&aber Verlag) war auch mein erstes Buch von ihr, und ich bin absolut begeistert von der Geschichte, und vor allem von der Art und Weise, wie sie erzählt wird. Die Sprache mutete für mich beinahe märchenhaft an, und schlängelt sich so geschmeidig durch den gesamten Roman, dass man sich vielleicht wundert, wie schnell man die 366 Seiten am Ende gelesen hat.

Und darum geht es: Eine Lüge verändert das Leben der 17-jährigen Nuphar schlagartig. Sonst graues Mäuschen und von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, wird sie plötzlich zu einer Art Star, genießt die ungewohnte Aufmerksamkeit, die ihr nun zuteil wird, und lebt dennoch mit der Gewissheit, dass alles auffliegen könnte oder vielleicht sogar aufliegen muss.

Seid ihr jetzt genauso neugierig wie ich, welche Lüge Nuphar in eine solche Situation bringt? Und vor allem, wie Ayelet Gundar-Goshen sie am Ende löst?

Kommt vorbei und lest rein, oder seht es euch mal online an (einfach auf das Buch klicken).

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Die Farbe von Milch

Es folgt schon ein weiterer Buchtipp (ich genieße gerade den Luxus, viel Zeit zum Lesen zu haben und berichte euch einfach zu gern von den Highlights): „Die Farbe von Milch“ von Nell Leyshon, erschienen im neu gegründeten Eisele Verlag. Auf das Buch aufmerksam wurde ich durch diverse Instagram-Posts, die es allesamt lobten, dazu noch das schön gestaltete Cover und der Klappentext, der mich neugierig gemacht hat – wie das halt immer so ist, ihr kennt das ja sicher.

Bei dem Buch ist es jedoch so: der Beginn des Lesens gleicht dem Einstieg in eine Achterbahn. Am Anfang mag sie noch langsam anrollen und man hätte unter Umständen die Möglichkeit, laut nach Hilfe und nach einem Anhalten zu rufen (ob man dabei gehört wird, ist eine andere Frage), aber hat sie einmal an Fahrt aufgenommen, gibt es kein Zurück. Das glaubt ihr nicht? Wartet ab, bis ihr es selbst in der Hand haltet, kommt bei Gelegenheit mal bei uns im Laden vorbei und lest rein (um 19 Uhr machen wir allerdings zu).

Die Geschichte spielt 1831 und wird von Mary, einem 15-jährigen Bauernmädchen (deren Haare „Die Farbe von Milch“ haben), erzählt. Sie hat durch einen Zufall, eine Fügung in ihrem Leben, Lesen und Schreiben gelernt, und so halten wir als Leser quasi ihre selbst aufgeschriebenen Worte in der Hand. Die Autorin hat es dabei geschafft, eine absolut authentische Protagonistin zu schaffen, was vor allem an der einfach gewählten Sprache und dem Weglassen sämtlicher Kommas liegt. Auf den ersten Seiten mag es noch ungewohnt wirken und man möchte die Kommas am liebsten mit einem Rotstift einfügen, aber eben diese Schreibweise ist wichtig und kreiert den unglaublich starken Sog, der es unmöglich macht, das Buch beiseite zu legen.

Mary erzählt uns von ihrem harten Leben auf dem Bauernhof, sie kennt nichts anderes und man möchte beinahe sagen, sie ist glücklich dort. Eines Tages aber schickt sie ihr Vater in das eine halbe Meile entfernte Haus des Pfarrers, wo sie als Hausmädchen arbeiten soll. Sie betritt eine für sie zuvor vollkommen fremde Welt, in die sie sich schließlich trotz ihres Heimwehs einfügt. Doch als die Pfarrersfrau, um die sie sich hatte kümmern sollen, schließlich stirbt, ist sie plötzlich alleine mit dem Pfarrer, und ihr Schicksal nimmt eine dramatische Wendung…

„Ich bin nicht sehr groß und mein Haar hat die Farbe von Milch. Mein Name ist Mary und ich habe gelernt ihn zu buchstabieren. M.A.R.Y. So schreibt man die Buchstaben. Ich will erzählen was passiert ist aber ich muss aufpassen dass ich nicht zu hastig vorpresche wie die Kühe am Weidegatter denn sonst komm ich ins Stolpern und falle und außerdem will ich anfangen wo jeder vernünftige Mensch anfangen sollte. Und zwar am Anfang.“

Neugierig geworden? Schaut rein!

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Mein Leben als Hoffnungsträger

Ich habe mal eine Frage an euch: Lasst ihr euch eigentlich davon beeinflussen, wenn andere sagen, ein Buch sei „schlecht“? Vertraut ihr auf solch fremde Urteile und lest die entsprechenden Bücher dann lieber nicht?

Vor gut einer Woche habe ich bei uns im Aufenthaltungsraum ein paar Exemplare von Jens Steiners „Mein Leben als Hoffnungsträger“ (erschienen im Arche Verlag) entdeckt. Ich habe Vera gefragt, was es mit den Büchern auf sich hat und sie sagte mir, es hätten sich auf Bücherkrächzen keine Testleser dafür gefunden – in meinen Kopf schoss direkt der Gedanke: „Okay, dann ist es wahrscheinlich eher uninteressant.“ Doch der Titel des Buchs hatte meine Aufmerksamkeit längst geweckt, und ich habe es mir mitgenommen, Bücher „über die Suche nach dem richtigen Leben“ üben oft einen großen Reiz auf mich aus, und ich konnte mich mit dem Inhaltstext identifizieren, der da lautet: „Ewig hetzen wir im Hamsterrad des Lebens. Gelegentlich machen wir Pause und werfen Ballast ab, um sogleich weiterzupreschen. In diesem Buch kommt einer daher, beobachtet das groteske Treiben und fragt sich, ob das Wort Freiheit vielleicht doch etwas bedeuten könnte. Der Widerstand, den seine Frage auslöst, ist unscheinbar, aber alles andere als zwecklos.“

Innerhalb von zwei Tagen habe ich es nun ausgelesen, und habe mich während des Lesens keine Sekunde gelangweilt. Der Protagonist, Philipp, ein sehr sensibler junger Mann, arbeitet auf einem Recycling-Hof, wo sein Chef die Arbeit sehr ernst nimmt. Er bezeichnet Philipp als seinen Hoffnungsträger, ist er doch der einzige, in dem er „Potential“ sieht. Doch will Philipp überhaupt für den Rest seines Lebens dort bleiben? (Eine rhetorische Frage: er will es natürlich nicht).

Das Buch hat mich vom Stil her an Benedict Wells‘ frühere Romane erinnert, und wer dessen Bücher mag, sollte auch diesem eine Chance geben. Der Wunsch nach Freiheit und die Frage nach dem Sinn werden hier nicht auf einem Silbertablett präsentiert, sondern schwingen eher zwischen den Zeilen mit. Dabei ist es so plastisch erzählt, dass man die Charaktere persönlich zu kennen glaubt. Vielleicht hat jemand von euch ebenfalls Lust, sie kennenzulernen, ich wünsche sowohl dem Autor, als auch dem unabhängigen Arche Verlag noch viele Leser dafür!

Ich freue mich natürlich auch über Antworten von euch (am einfachsten über die Kommentar-Funktion oder per Mail an blog@ravensbuch.de).

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Bücherkrächzen: Die Melodie meines Lebens von Antoine Laurain

Und schon wieder ein neues Bücherkrächzen: Die Melodie meines Lebens von Antoine Laurain aus dem Atlantik Verlag.

Melodie meines Lebens

Und darum geht es:

Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden. Humorvoll und mit feinem Gespür für Nostalgie erzählt Antoine Laurain von vergessenen Lieben, verlorenen Freundschaften und verpassten Chancen – die plötzlich neues Glück versprechen.